2026-09-01
🌐 Monatsrückblick: Wichtige Nachrichten aus Restrukturierung und Transformation 🌐
Sommer, Sonne… Sanierungsstau! Wenn Traditionsriesen baden gehen und Insekten die Puste ausgeht 🏝️💸
Das Sommerloch im August 2026 entpuppt sich als waschechtes Sanierungstal! Wer dachte, die heißen Tage bringen Entspannung, sieht sich getäuscht. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im ersten Halbjahr kletterte die Zahl der Unternehmensinsolvenzen laut Dun & Bradstreet auf ein Fünfjahreshoch von 9.557 Fällen – ein satter Anstieg von fast 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Rechnerisch meldeten jeden Tag 53 Betriebe Insolvenz an. Auch die Creditreform verzeichnet mit fast 13.000 Fällen im ersten Halbjahr den höchsten Stand seit über einem Jahrzehnt. Zeit, den Blick auf die drastischsten Fälle und Branchen-Beben dieses Sommers zu richten.
🚗 MOTOREN-MUFFELN UND ROBOTER-REVOLUTION
Die Automotive-Branche bleibt das Sorgenkind der Nation. Besonders heftig erwischt es den Ellwanger Batterie-Pionier Varta. Nachdem der Konzern im Juli Insolvenzantrag am Amtsgericht Stuttgart stellen musste, wurde das geplante Eigenverwaltungsverfahren einkassiert. Nun entscheidet der klassische Insolvenzverwalter Tobias Wahl über das Schicksal der Gesellschaften, der Varta AG. Einer der Gründe für den Kollaps: Der Verlust des Großkunden Apple, der seine AirPods-Knopfzellen künftig aus China bezieht.
Auch beim Zulieferer Hess Plastics (Karl Hess GmbH & Co. KG) aus dem Siegerland sieht es duster aus. Die traditionsreiche Firma stellte Ende Juli Insolvenzantrag, wodurch 290 Arbeitsplätze auf der Kippe stehen. Für den insolventen Autozulieferer Bohai aus Harzgerode in Sachsen-Anhalt wird zwar intensiv verhandelt, eine finale Rettung steht aber trotz eines Angebots eines strategischen Investors noch aus.
Es gibt jedoch auch vereinzelte Lichtblicke: Bei Mürdter in Mutlangen konnte das Insolvenzverfahren nach zwei zähen Jahren aufgehoben werden – 155 Jobs sind hier dauerhaft gerettet. Parallel brodelt es bei den Branchenriesen: Die VW-Tochter IAV drohte laut IG Metall mit Insolvenz und plant nun den Abbau von 2.000 Stellen bis Ende 2027. Schaeffler wiederum setzt auf Altersteilzeit, um 1.800 Jobs abzubauen, glänzt aber gleichzeitig mit Roboter-Aufträgen im Wert von 350 Millionen Euro. Unterdessen gerät auch die Berliner Autohausgruppe König laut Branchenkreisen in schwere finanzielle Turbulenzen.
🛒 MARITIME MODEN UND DIE GROSSE BAUMARKT-ZERSCHLAGUNG
Im Einzelhandel fliegen die Fetzen! Das wohl skurrilste Drama des Monats liefert die maritime Modemarke Adenauer & Co. Am 1. August wurde das Eigenverwaltungsverfahren am Amtsgericht Düsseldorf eröffnet. Betroffen sind rund 200 Mitarbeiter und 59 Filialen. Firmengründer Andreas Adenauer betonte, das Problem liege nicht am Produkt, sondern an Betrug: Partner in der Türkei sollen Gelder veruntreut und ihn mit falschen Zahlen getäuscht haben, was einen Millionenschaden verursachte. Erste Standorte in Dresden und Bonn wurden bereits dichtgemacht. Auch bei der Yeans Halle (Trender Jeansmode) läuft ein Verfahren in Eigenregie.
Noch gewaltigere Ausmaße nimmt das Desaster bei den insolventen Ketten Hellweg und den bayerischen BayWa Bau- & Gartenmärkten an. Weil ein großer Gesamtinvestor fehlt, steht die Zerschlagung des 114 Standorte umfassenden Netzes bevor. Zwar gibt es für 35 Märkte konkrete Übernahmelösungen durch Wettbewerber, doch fast 80 Filialen droht Ende November die endgültige Schließung. Die Konzernzentralen in Dortmund und Garching mit 340 Mitarbeitern werden komplett abgewickelt. Gleichzeitig kündigte der Discounter Mäc Geiz die Schließung fast jeder dritten Filiale an, wodurch 1.175 Mitarbeiter bangen müssen. Auch die Kette Oil & Vinegar schließt fast alle deutschen Filialen.
🛋️ POLSTER-PLEITEN UND DER KÜCHEN-KOLLAPS
Die Möbelindustrie leidet massiv unter der Konsumzurückhaltung und dem lahmenden Wohnungsbau. Die gesamte Branche blickt auf schwere Zeiten: Nach einem Umsatzminus von 3,4 % im Jahr 2025 schrumpften die Erlöse der deutschen Polstermöbelhersteller im ersten Quartal 2026 um weitere 9 % auf rund 221 Millionen Euro. Ein prominentes Opfer ist der Polstermöbel-Riese Himolla aus Taufkirchen an der Vils. Das Unternehmen mit über 730 Beschäftigten befindet sich im Schutzschirmverfahren. Nun wurde die Schließung der Endfertigung am Stammsitz angekündigt, was einen herben Stellenabbau nach sich zieht. Nur wenige Tage später meldete auch Gruber Polstermöbel aus Sonnefeld Insolvenz beim Amtsgericht Coburg an. Das 1927 gegründete Familienunternehmen versucht nun, sich im vorläufigen Verfahren zu sanieren.
Ebenfalls in Schieflage ist die Domo Collection aus Hude in Niedersachsen. Der vorläufige Insolvenzverwalter Christian Kaufmann führt den Betrieb fort, doch die Krise betrifft auch die polnische Produktionstochter in Psarskie mit ihren 245 Mitarbeitern.
Völlig ungläubig blickt die Branche auf den Küchenhersteller Brigitte Küchen aus Hiddenhausen. Zum dritten Mal binnen sechs Jahren musste das Unternehmen Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden! Laut Investor Steffen Liebich und Sachwalter Dr. Frank Kebekus ist der Hauptgrund der Ausbruch des Irankriegs: Nahezu alle Bauprojekte im Nahen Osten – insbesondere in Saudi-Arabien, Katar, Bahrain und den Emiraten – wurden auf Eis gelegt, was das wichtige Exportgeschäft von Brigitte Küchen völlig zum Erliegen brachte.
🚛 FRISCHWAREN-FLAUTE UND GLÜCKLICHE LOGISTIK-RETTUNG
Die Transportbranche kämpft mit explodierenden Kosten und mörderischem Preiskampf. Eine echte Erfolgsstory gibt es aber aus dem Hause Betz International in Sonnenbühl: Die im April insolvent gegangene Spedition wurde vollständig vom neu gegründeten Logistiker Aventra übernommen. Der Großteil der 140 Arbeitsplätze sowie die Flotte von 72 modernen Nutzfahrzeugen bleiben erhalten.
Weniger glanzvoll läuft es bei der Baumann Spedition aus Dresden und Döbeln. Der Spezialist für gekühlte Frischwarentransporte rutschte wegen des Verlusts mehrerer Hauptkunden in ein gerichtliches Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung. Der Betrieb läuft zwar weiter und die Gehälter für die 3 Standorte wurden vorfinanziert, doch der Weg zur Stabilisierung ist weit. Auch die Mainzer Spedition Blodt, die im Lebensmittel- und Pharmasektor aktiv ist, musste Mitte August den bitteren Gang zum Insolvenzgericht antreten.
🏢 IMMOBILIEN-BEBEN UND DER ZINS-SCHOCK
Die Zinswende zieht immer tiefere Gräben in den Bausektor. Der Kölner Vorzeige-Projektentwickler Pandion AG schlitterte nach gescheiterten Refinanzierungsrunden in die Eigenverwaltung. Nur zwei Wochen später meldeten gleich elf Projektgesellschaften Insolvenz an, darunter Großprojekte wie die Silberburg Höfe in Stuttgart, der moderne Bürocampus in Berlin-Kreuzberg (Officehome Delve) und die Quartiersentwicklung Ehrenveedel in Köln. Und das, obwohl Pandion noch im März eine Projektfinanzierung über 240 Millionen Euro von Apollo für das Münchner Projekt erhalten hatte. Auslöser war ein Verzug bei den Zinszahlungen für eine 45-Millionen-Anleihe – es fehlten 3,6 Millionen Euro Liquidität.
Ebenso spektakulär verläuft der Niedergang der Centrum Development aus Düsseldorf. Während Gründer Uwe Reppegather nach seiner Festnahme auf Ibiza in Untersuchungshaft sitzt, prüft Verwalter Axel Kleinschmidt die Fortführung der Projekte für die 52 Beschäftigten. Auch auf dem Pfaff-Gelände in Kaiserslautern stehen zwei Projektgesellschaften vor dem Trümmerhaufen. Der Gerüstbauer Kero aus Laupheim und das insolvente Fliesen-Zentrum Deutschland mit seinen 400 betroffenen Mitarbeitern machen das baubezogene Debakel komplett.
🧪 PHARMA-ABWICKLUNG UND DAS AUS FÜR DIE SOLDATENFLIEGE
Zwei der traurigsten Abwicklungen dieses Sommers zeigen, wie schnell Hoffnungen zerstieben können. In Illertissen ist das endgültige Aus für den traditionsreichen Arzneimittelhersteller R-Pharm Germany besiegelt. Da der Investorenprozess scheiterte und die verbliebenen Bieter keine gesicherte Finanzierung vorlegen konnten, verlieren alle 280 Mitarbeiter ihre Jobs. Die Ursache liegt in den weitreichenden EU-Sanktionen gegen die russische Muttergesellschaft.
Genauso bitter endet die Geschichte des vielversprechenden Agrar-Start-ups FarmInsect aus Bergkirchen. Das Unternehmen, das automatisierte Mastanlagen für die Larven der Schwarzen Soldatenfliege verkaufte, wird komplett abgewickelt. Trotz anfänglichem Optimismus des Insolvenzverwalters Alexander Zarzitzky fand sich kein Käufer für den Geschäftsbetrieb. Lediglich über die immateriellen Werte wird noch verhandelt. Abgerundet wird die Pleitewelle durch die Insolvenz der GmbH des Bundesverbands Windenergie und das eröffnete Verfahren der traditionsreichen Aktienbrauerei Kaufbeuren.
Das Archiv der Wochenrückblicke finden Sie hier: https://www.goerbing-klartextpr.de/Restrukturierungs-News/
Aktuelle News zu Insolvenz & Restrukturierung gibt es täglich frisch in der dazugehörigen LinkedIn-Gruppe: https://www.linkedin.com/groups/8947807/
Admin - 11:17:07 | Kommentar hinzufügen
Kommentar hinzufügen
Die Felder Name und Kommentar sind Pflichtfelder.